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Wort zum Karfreitag – 2017

Wie lieb ist der liebe Gott?

Seit ein paar Jahren bin ich Opa. Und ich habe gelernt: Opas müssen lieb sein. Sie müssen es nicht so genau nehmen. Sie lassen den Enkeln mehr durchgehen, als Eltern es tun sollten.

Viele Menschen meinen heute, so ein großzügiger Opa sei auch der liebe Gott – wenn sie überhaupt noch über Gott nachdenken.

Woher wissen wir überhaupt, dass Gott „lieb“ ist? Andere fragen angesichts von Gewalt, Not und Ungerechtigkeit mit Wolfgang Borchert: „Wann bist du eigentlich lieb, lieber Gott?“ Es passieren Dinge auf der Welt, die passen nicht zusammen mit dem Glauben an den lieben Gott. Wer Gott für einen lieben Opa hält, kennt Gott nicht. Es stehen auch in der Bibel Sätze, die passen nicht zusammen mit dem Glauben an den lieben Gott.

Karfreitag steht vor der Tür.  Es ist ein „dunkler Tag“ – als Jesus am Kreuz seine letzten Atemzüge tat, „wurde es plötzlich dunkel im ganzen Land.“ Gott ließ zu, dass Jesus gekreuzigt wurde. Er griff auch nicht ein, als sie Jesus verspottet und blutig geschlagen haben. Wo war da „der liebe Gott“?

Schon meine Großmutter hat mich gelehrt, statt vom „lieben Gott“ vom „liebenden Gott“ zu reden. Warum?

Der „liebe Gott“ klingt zu sehr nach dem „lieben Opa“, der schon mal beide Augen zudrückt. Gott ist kein lieber, aber ein liebender Gott. Er sieht den Menschen in seiner Verlorenheit und kommt ihm in unendlicher Barmherzigkeit entgegen. Er zieht Menschen aus dem Sumpf und stellt sie auf festen Grund – verkrachte Existenzen, kaputte Ehen, Suchtkranke, Verzweifelte, Einsame.

Dieser Gott ist ein Handelnder, ein redender und ein aufrichtender Gott. Er will keine lauwarmen Mitläufer und Augenwischer. Er will Leute, die sich entscheiden – ja oder nein. Leute, die ihre Schuld nicht mehr ertragen können. Die nach Vergebung schreien.

Der Spruch für den Karfreitag steht im Johannesevangelium 3,16 und beschreibt die Liebe Gottes auf einzigartige Weise:

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

 

Bernd Knobloch, Wietzendorf

Diakon für Kirche im Tourismus

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